Kunst-am-Bau-Projekt im Forster
Das Kunst-am-Bau-Projekt „Forster Mustertuch“ der Künstlerin Anett Lau wurde im Forster Museum für Textil und Industriegeschichte Lausitz erfolgreich realisiert und ist seit Anfang Januar 2025 fester Bestandteil des Museumsneubaus in der Sorauer Straße 37.
Der Baustart erfolgte am 9. Dezember 2024. Grundlage des Kunstwerks war ein Entwurf, der bereits im Juni 2023 im Rahmen eines Kunst-am-Bau-Wettbewerbs von einer Fachjury zur Umsetzung empfohlen worden war.
Kunstwerk und konzeptioneller Ansatz
Das Kunstwerk besteht aus einem zweifarbigen Bodenmosaik im Foyer des Museumsneubaus mit einer Gesamtfläche von 64 Quadratmetern. Das geometrische Muster basiert auf einer historischen Patronenzeichnung eines ehemaligen Studierenden der Preußischen Fachschule für Textilindustrie Forst, die Anett Lau im Archiv des Museums in einem Musterbuch entdeckte.
Die Künstlerin übertrug dieses Muster als Rapport, also als sich wiederholende Struktur, auf den Bodenraum. Damit greift das Mosaik zentrale Prinzipien der textilen Musterherstellung auf. Zugleich lässt sich das Werk auch als Verweis auf die Entwicklung der Informationsübertragung lesen, da die einzelnen Fliesen Assoziationen an großformatige Pixel zulassen.
Im Raum übernimmt das Mosaik eine verbindende Funktion: Es verknüpft optisch unterschiedliche Ausstellungsbereiche des Museumsneubaus – von der Energiegewinnung, symbolisiert durch den Bereich der „Schwarzen Jule“, bis hin zur Textilproduktion.
Material, Herstellung und Ausführung
Für das Bodenmosaik wurden Feinsteinzeug-Bodenfliesen verwendet, ein besonders widerstandsfähiges und langlebiges Material. Die Fliesen wurden im Werk der brandenburgischen Firma Golem in Sieversdorf gefertigt und unterstreichen den regionalen Bezug der handwerklichen Umsetzung.
Die Verlegung und Verfugung des Mosaiks erfolgten vor Ort durch den Fliesenleger Mark Schwolow aus Spreenhagen (Brandenburg) in enger Abstimmung mit der Künstlerin.
Kunst am Bau im Rahmen der Museumssanierung
Die Realisierung des Kunstwerks erfolgte im Zuge der umfassenden Sanierung des Brandenburgischen Textilmuseums. Die Baumaßnahme wurde mit Bundesmitteln aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert.
Gemäß den Förderbedingungen war die Stadt Forst (Lausitz) als Bauherrin verpflichtet, einen Anteil der Bausumme für Kunst am Bau bereitzustellen. In diesem Zusammenhang wurde 2023 ein Kunst-am-Bau-Wettbewerb ausgelobt, aus dem der Entwurf von Anett Lau als Sieger hervorging.
Einschätzung des Preisgerichts
Das Preisgericht würdigte insbesondere die konzeptuelle und gestalterische Qualität des Entwurfs. Hervorgehoben wurden die präzise Abstimmung auf Architektur und Nutzung des Gebäudes sowie die eigenständige künstlerische Umsetzung.
Die bewussten Unterbrechungen der Rapportbahnen erzeugen visuelle Reibungen, die das Mosaik deutlich von einem konventionellen Bodenbelag unterscheiden. Gleichzeitig wird das Prinzip textiler Musterproduktion durch den Materialtransfer von Textil zu Architektur als zeitgemäße gestalterische Strategie interpretiert.
Zur Künstlerin
Anett Lau ist Bildende Künstlerin. Sie wurde in Greifswald geboren und wuchs in Berlin auf. Nach ihrem Abschluss als Ingenieurin für Textildesign an der Textilingenieurschule Reichenbach im Vogtland studierte sie an der Kunsthochschule Berlin Weißensee.
Ihr künstlerisches Werk ist geprägt von der Auseinandersetzung mit Mustern, Ornamenten und seriellen Strukturen. Neben Arbeiten mit Papier realisiert sie seit 2012 partizipatorische Kunstprojekte im öffentlichen Raum. Ihre Werke wurden national und international ausgestellt und befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen.